Insgesamt ist die „Mobile-First-Strategie“ (MFS) ein wichtiges Element der digitalen Transformation in den Unternehmen. Nach dem Motto: „If you’re not mobile first, you’re last!“. Dass dies nach wie vor relevant ist, hat Google vor kurzem unterstrichen, indem das Unternehmen angekündigt hat, dass es den sog. „Desktop-Index“ durch den „Mobile-Index“ ersetzen wird. D.h., zukünftig zählt nicht mehr so sehr, wie gut Ihre Desktop-Website für SEO optimiert ist, sondern die für Smartphones optimierte Website. Denn diese wird dann primär für das Ranking bei den Google-Suchergebnissen heran gezogen. Ein konsequenter Schritt des Suchmaschinen-Giganten.

Allerdings wird eine MFS häufig falsch interpretiert und umgesetzt. Damit ist z.B. nicht gemeint, einfach eine Mobile-App zu bauen, mit dem eigenen Firmenlogo zu branden und dann zu hoffen, dass diese Kunden begeistert. Das hat nie funktioniert. Es gibt aber immer noch Unternehmen, die das glauben. Bitte aufwachen!

Tatsächlich hat das gesamte Thema MFS nur am Rande etwas mit Mobile-Apps zu tun. Denn Mobile-Apps werden immer weniger beliebt. Sie müssen umständlich in den Stores gesucht werden, dann aufwändig herunter geladen und installiert werden. Und nach ein paar Aufrufen werden sie von den Benutzern in der Regel auch bald wieder gelöscht.

Ja, es gibt Unternehmen, wie z.B. Instagram, deren Mobile-Apps sind integraler Bestandteil des Geschäftsmodells und dort macht es dann auch Sinn, diesem Ansatz Vorrang vor allem anderen zu geben. Aber pauschal allen Unternehmen die Erstellung einer eigenen Mobile-App zu empfehlen, kann einer Maschine zur Geldverbrennung gleichkommen. Es kommt immer darauf an, welches Geschäftsmodell das Unternehmen verfolgt und wie die Kunden gemäß dem Ansatz der digitalen Transformation mit einbezogen werden sollen. Die wenigsten Kunden werden sich z.B. eine App installieren, nur um mit dem Unternehmen in Kontakt zu treten. Oft sehe ich auch Apps, die nahezu denselben Funktionumfang wie die Website des Anbieters aufweisen. Der Grundgedanke ist hier häufig: „Wenn einmal die App installiert ist, wird der Kunde diese schon immer wieder verwenden, denn wir sind mit unserem Icon ja nun auf seinem Smartphone präsent!“ Das ist Wunschdenken. Eine App ist schneller gelöscht als installiert. Vor allem gebrandete Apps, die keinen wirklichen Mehrwert bieten, sterben immer öfters einen schnellen, digitalen Tod. Immer mehr Anwender konzentrieren sich auf immer weniger Apps. Neue Apps werden hingegen nur noch selten dauerhaft akzeptiert.

Mal ehrlich, Mobile-Apps sind für reines Marketing out. Nur wenn diese einen wirklichen Mehrwert für den Anwender bringen, dürfen sie bleiben. D.h., die eigentliche Frage muss sein: Welchen Mehrwert kann ich für den Anwender schaffen, den

  • ich nicht über die Website auch schaffen kann
  • noch keine andere App leistet
  • oder den ich viel besser als andere machen kann?

Das wird aber verdammt schwer werden. Eine Karten-App, die „besser“ ist als Google Maps? Sogar Apple hat sich damit schon die Finger verbrannt. Eine Messanger-App die „besser“ ist als WhatsApp? Google und viele andere haben hier letztendlich aufgegeben und Facebook das Feld überlassen. Vorerst zumindest. Diese Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen. Unternehmen, deren primäres Geschäftsmodell eben nicht mobil-fokussiert ist, sollten erst gar nicht versuchen, gegen die etablierten Apps zu konkurrieren. Suchen Sie stattdessen nach einem wirklichen Mehrwert, den nur Sie anbieten können. Fokussieren Sie sich dabei auf Ihre Stärken. Oder sparen Sie sich das Geld und investieren Sie es z.B. lieber in eine AI-Strategie. Denn das wird die nächste große Möglichkeit werden, um die Karten neu zu mischen. So hat Google nun die Strategie „Mobile First“ abgeschlossen und für 2017 „AI First“ ausgerufen. Was das genau heisst und wie Unternehmen davon profitieren können… ich werde berichten.

Über den Autor Stephan Niedermeier

Stephan is the founder of FTAPI Software GmbH. He is a digital market & technology expert with over ten years of experience, including fast bootstrapping of high-performance teams, product management, business development, lean methodologics and digital strategy. He still loves to write code, to blog and to design cloud software architectures.

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